Rudolf Wallner

Vizeinspektor der Wiener Elektrizitätswerke. Widerstandskämpfer. Hingerichtet.

* 1903   † 1944

 

Lebenslauf

Rudolf Wallner wurde am 1. April 1903 in Wien geboren. Er war Vizeinspektor der Wiener Elektrizitätswerke.

Österreichische Freiheitsbewegung, Kontakt zu anderen Widerstandsgruppen, Verlobung mit Anna Hanika

Rudolf Wallner agierte als führender Funktionär der Österreichischen Freiheitsbewegung, die von Karl Lederergegründet worden ist. Diese Freiheitsbewegung verstand sich als katholisch-konservative Gruppierung.

Die “Gruppe Lederer” suchte und fand den Kontakt zur von Dr. Jakob Kastelic ins Leben gerufenen “Großösterreichischen Freiheitsbewegung” sowie zu einer weiteren Widerstandsgruppe rund um Roman Karl Scholz, Augustinerchorherr in Klosterneuburg.

Rudolf Wallner war mit der Kontoristin Anna Hanika verlobt. Er konnte sie, die früher Mitarbeiterin der Christlich-Sozialen Gewerkschaft gewesen war, für den Widerstand gewinnen.

Verrat durch Otto Hartmann, Todesurteil, Haftstrafe für Anna Hanika

Alle drei Widerstandsgruppen wurden vom Burgschauspieler Otto Hartmann verraten. Daraufhin kam es zur Verhaftung der Funktionäre bereits im Jahr 1940. Doch erst mehr als drei Jahre später fand am 3. März 1944 der Prozess vor dem Volksgerichtshof statt. Laut dem Historiker Wolfgang Neugebauer geht der langjährige Aufschub des Prozesses gegen die katholisch-legitimistischen WiderstandskämpferInnen auf eine Anordnung Hitlers zurück.

Über Rudolf Wallner und die Mitangeklagten Dr. Karl Lederer und Dipl.-Ing. Alfred Miegl wurde das Todesurteil gesprochen. Anna Hanika bekam eine Haftstrafe von zwei Jahren, die mit der Verbüßung der Untersuchungshaft als verbüßt galt. Sie übernahm gleich nach ihrer Haftentlassung die Mutterstelle für Gerhard Kastelic, den jüngeren Sohn des Hingerichteten Dr. Jakob Kastelic, der durch den frühen Tod seiner Mutter Vollwaise war.

Prozess gegen Otto Hartmann, Begnadigung des Denunzianten

Beim Prozess gegen Otto Hartmann trat Anna Hanika als Zeugin auf. Otto Hartmann wurde am 22. November 1947 vom Volksgericht in Wien nach § 7 Kriegsverbrechergesetz (KVG) wegen Denunziation mit Todesfolge zu lebenslangem schwerem Kerker verurteilt. Nachdem er mehrmals versucht hatte, begnadigt zu werden, wurde er 1957, also nach etwa 10 Jahren Haft, im Zuge einer Amnestie durch Bundespräsident Dr. Adolf Schärf, zu fünf Jahren “auf Probe” begnadigt. Otto Hartmann konnte daraufhin als Verkäufer und kaufmännischer Angestellter in diversen Unternehmen arbeiten und starb im Alter von 90 Jahren.

Hinrichtung, gemeinsam mit Dr. Karl Lederer, Dipl.-Ing. Alfred Miegl und Dr. Roman Karl Scholz

Am 10. Mai 1944 wurde Rudolf Wallner im Wiener Landesgericht guillotiniert. Das gleiche grauenhafte Schicksal traf an diesem Tag 13 weitere Widerstandskämpfer, darunter Dr. Karl Lederer, Dipl.-Ing. Alfred Miegl und Dr. Roman Karl Scholz.

Identifizierung der Leiche durch Anna Hanika, Bestattung am Baumgartner Friedhof, nunmehr Grab in Villach

Die Mutter des ebenfalls am 10. Mai 1944 hingerichteten Widerstandskämpfers Dr. Hans Zimmerl konnte im Juli 1945 in Erfahrung bringen, dass im Anatomischen Institut der Universität Wien noch ca. 250 Leichen Hingerichteter liegen sollten, darunter wahrscheinlich auch jene der 9 hingerichteten Kameraden der Gruppe Scholz – Lederer – Kastelic. Aufgrund der fehlenden Kooperation seitens der Leitung der Anatomie war es ein schwieriger Weg für die Angehörigen, sodass erst Monate später die Möglichkeit eingeräumt wurde, die Leichen zu identifizieren und hernach bestatten zu dürfen. Erst die Drohung mit Öffentlichkeit und die Einschaltung politischer Funktionäre ermöglichte das Unterfangen. Die Leichen befanden sich jeweils zu zweit in Blechkisten. In vielen Fällen stimmten die Beschriftungen nicht. Die Köpfe waren in vielen Fällen getrennt aufbewahrt.

Es ließ sich kein Kopf von Rudolf Wallner finden. Anna Hanika konnte seinen Torso anhand einer Narbe nach einer Bruchoperation und eines gebrochenen Knöchels identifizieren. Seine Bestattung in einem Grab der Kalasantiner-Kongregation am Baumgartner Friedhof fand am 3. November 1945 statt. Schon 1947 wurde sein Leichnam exhumiert, nach Villach überführt und dort beerdigt.

Bestattungsanzeige der Kalasantiner

Gedenktafeln

Sein Name findet sich auf folgenden drei Gedenktafeln:

Gedenktafel für vierzehn Mitglieder der katholischen Widerstandsbewegung gegen das NS-Regime, Kreuzgang des Wiener Minoritenklosters (1949)

Gedenktafel für sechs Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus im Direktionsgebäude der Wiener E-Werke, Mariannengasse 4-6

Gedenktafel im ehemaligen Hinrichtungsraum des Wiener Landesgerichts

Gedenktafel auf der Gruppe 40

Sein Name befindet sich auf einer Gedenktafel, die am 27.10.2015 feierlich auf der Gruppe 40 enthüllt worden ist.

Weblinks und Quellen

Wir erinnern uns

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